Energiewende

Bei der Energiewende weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Das Thema ist sehr komplex und viele Bürger stehen der Energiewene sehr sleptisch gegenüber, weil sie glauben, dass die ständig steigenden Preise für Öl, Gas und Strom eine Folge der Energiewende sind.

Ich versuche mal, das Thema etwas verständlich zu erklären. Beginnen wir mit Öl und Gas, also dem Thema Heizen. Die Preise für Öl und Gas haben wir nicht in der Hand, sondern sie unterliegen dem Weltmarkt. Der Überfall Russlands auf die Ukraine hat uns den sehr günstigen Gasbezug aus Russland genommen, dieser Krieg und der Iran-Konflikt sorgen derzeit für sehr hohe Weltmarktpreise sowohl für Öl als auch für Gas. Europa ist bei dieser „Preisgestaltung“ eher Zaungast. Allein das ist Grund genug, sich langfristig von den fossilen Brennstoffen zu trennen. Beim Heizöl kommt noch erschwerend hinzu, dass wir Diesel und Heizöl zukaufen müssen, denn aus Rohöl bekommt man beim Raffinieren weniger Mitteldestillate wie Heizol, Diesel und Kerosin heraus, als wir in Deutschland brauchen. Und dieser Zukauf aus anderen Ländern ist aktuell besonders teuer. Daher liegt der Heizölpreis aktuell (August 2026) über 1,40 € je Liter.

Wer derzeit mit Öl und Gas heizt, wird sich also langfristig, eher aber mittelfristig nach einer günstigeren Alternative umschauen. Die Wärmepumpe ist bei Ein- und Zweifamilienhäusern sicher mit meistgenutzte Alternative. Aber bei älteren Häusern kann es sein, dass umfangreiche Dämmaßnahmen erforderlich sind, um den spezifischen Wärmebedarf (kWh/m²) auf ein Mass zu senken, damit eine Wärmepumpe wirtschaftich eingesetzt werden kann. Oft ist das auch mit einem Austausch der Heizkörper verbunden, was den Umbau teuer macht. Die Alternative wäre Fernwärme mit Biogas oder Strom (Großwärmepumpen) als Energieträger. Zwar hat Wallenhorst bereits eine kommunale Wärmeplanung vorgelegt, aber die weiteren Schritte und der konkrete Bau von Wärmenetzen sind noch offen. Da der Gemeinde auch das Gasnetz gehört, wäre es auch denkbar, dass man sich für den Weiterbetrieb des Gasnetzes entscheidet und dem Gas aus Biogas erzeugtes „Erdgas“ beimischt. Aktuell ist das allerdings noch sehr teuer. Wie man an der Biosgas-Anlage im Bohmter Ortsteil Stirpe sehen kann, ist es technisch machbar. Das dort erzeugte „Erdgas“ reicht für mehr Haushalte als Bohmte selbst hat.

Beim Strom sieht die Welt schon etwas anders aus. Hier wird inzwischen mehr als 57% des Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, also Wind, Sonne, Wasserkraft oder Biogas. Was früher den Energiepreis in die Höhe getrieben hat, stabilisiert ihn inzwischen. Denn die Stromerzeugung aus fossilien Brennstoffen wie Kohle oder Erdgas ist inzwischen teurer als der Strom aus Erneuerbaren. Und die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien schafft Wertschöpfung und Arbeitsplätze hier in der Region. Daher setze ich mich für mehr Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien hier in Wallenhorst ein. Wir haben in Wallenhorst noch genug Dächer ohne PV-Anlagen und Platz für mindestens drei weitere Windkraftanlagen. Wir bräuchten zwar 8, um unseren aktuellen Strombedarf zu decken, aber wir sind auch eine dicht besiedelte Gemeinde.

Bleiben wir beim Strom. Die Kosten der Stromerzeugung machen ja nur etwa ein Drittel des Strompreises aus. Ein knappes weiteres Drittel sind die sogenannten Netzentgelte. Eigentlich heißt es richtig Netz-Durchleitungsentgelte und diese sind reguliert, denn in jedem Ort gibt es nur ein Netz, was ja ein Monopol ist. In Wallenhorst gehört dieses Netz den Gemeindewerken und den Stadtwerken Osnabrück. Damit haben es im Ort ein Stück weit selbst in der Hand. Ja, in den Siedlungen wird sich der Strombedarf in den kommenden Jahren verdoppeln und wir kommen nicht darum herum, das Leitungsnetz auszubauen. Und das kostet viel Geld. Aber die Feldversuche „E-Mobility-Allee“ und „E-Mobility-Carré“ der EnBW haben auch gezeigt, wie man mit intelligenten Lösungen das teure Verlegen von mehr Kabel vermeiden kann. Drei Erkenntnisse wurden in beiden Versuchen gewonnen.

1. Die E-Autos wurden von Ihren Fahrers gar nicht jeden Tag geladen. Selbst in einer Tiefgarage mit 58 Wallboxen wurden nie mehr als 13 gleichzeitig genutzt.
2. Durch smarte Vernetzung der Wallboxen konnten Lastspitzen vermieden werden. Nicht jeder Fahrer, der Abends um 18 Uhr sein Auto anschließt, braucht es nach drei Stunden wieder voll geladen. Durch die Angabe der Uhrzeit, wann man das Auto wieder benötigt, können Ladevorgänge netzschonend zeitlich versetzt werden.
3. Im Feldversuch „E-Mobility-Allee“ wurde am Ende der Straße ein Akku eingesetzt, der das Netz bei Überlastung stützen sollte. Das war im Versuch nur bedingt erforderlich. In der Versuchsstraße wurden 10 E-Golf eingesetzt und die belasteten das Netz beim Laden unsymmetrisch. Eine zustarke Asymmetrie belastet den Siedlungstrafo. Der Akku glich die Asymmetrie aus und zeigte damit eindrucksvoll, wie ein Akkupack am Ende der Leitung das Netz der Straße stabilisieren kann. Er kann sowohl Lastspitzen abfangen als auch die PV-Überschüsse der Mittagssonne direkt wegspeichern, ohne dass diese im Netz laden. Vereinfacht gesagt: Der Akku am Ende des Kabels kann unter Umständen den teuren Erdbau sparen und stablisert das Netz direkt in der Siedlung. Also dort, wo durch PV-Anlagen Strom erzeugt wird, aber durch Wärmepumpen und Elektroautos auch viel mehr Strom als heute benötigt wird.

Mit vielen solcher Möglichkeiten kann man das Stromnetz fit für Anforderungen von Übermorgen machen und gleichzeitig die Kosten optimieren. Das sorgt am Ende für günstigere Netzentgelte und damit für uns Verbraucher für einen günstigeren Strompreis.

Die Energiewende ist kein Risiko, vor dem man Angst haben muss, sondern eine Chance, die man ergreifen sollte. Der Anfang ist leicht. Zum Beispiel ein kleines Balkonkraftwerk. Entweder am Balkongeländer, im Garten oder auf dem Garagendach, was in Wallenhorst sehr beliebt ist. Ab 300 Euro geht es los und bei einer jährlichen Ersparnis von ca 50 hat man das Geld nach 6 Jahren wieder. So einfach kann Energiewende sein.

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