kommunale Wärmeplanung

Was bringt uns die Kommunale Wärmeplanung? Diese Frage stellt sich so mancher Bürger in Wallenhorst. Ich versuche das mal in diesem Artikel zu erklären.

Rund 24% aller Wallenhorster Wohnungen wurden 2024 mit Heizöl beheizt. Das ist eine der Erkenntnisse aus der Bestandsaufnahme der kommunalen Wärmeplanung. Und mehr als zwei Drittel der Wohnungen nutzen eine Gas-Heizung. Heute nutzen sicher einige Haushalte mehr eine umweltfreundliche Wärmepumpe. Noch setzen aber mehr als Drei Viertel aller Haushalte auf fossile Energieträger. Das ist ist nicht nur schlecht für das Klima, sondern es wird auch immer teurer. Wer mit Öl heizt und jetzt im Sommer neu tanken muss, wird mit Schrecken den erneuten Anstieg auf mehr als 1,40 € pro Liter zur Kenntnis genommen haben.

Was also bringt uns Bürgern die Kommunale Wärmeplanung? Zunächst ein kurzer, stark vereinfachter Abstecher in die Theorie. Deutschland hat sich international verpflichtet, bis 2045 klimaneutral zu werden. Um dieses Ziel auf dem Gebäudesektor zu erreichen, gibt u.a. es die Kommunale Wärmeplanung. Im ersten Schritt erfolgt eine Bestandsaufnahme. Dies geschieht mit anonymisierten Verbrauchsdaten, dem Alter der Gebäude in den Straßen, der Wohnfläche und des Typs der Heizung. Anhand dieser Daten wird der spezifische Wärmebedarf der Gebäude hochgerechnet. So entsteht eine Übersicht, wie in den einzelnen Straßen/Wohnvierteln geheizt wird und welcher Wärmebedarf besteht.

Im nächsten Schritt werden potentielle regenerative Energiequellen wie z.B. Abwärme von Industriebetrieben, aus Abwasser oder Erdwärme, Biomasse oder Solar gesucht.

Die Ersteller einer kommunalen Wärmeplanung geben anhand des Wärmebedarfs der Wohngebiete und der potentiellen regenerativen Energiequellen erste Empfehlungen, wo Wärmenetze sinnvoll aufgebaut werden könnten und wo der spezifische Wärmebedarf der Gebäude so niedrig ist, dass ein Wärmenetz unwirtschaftlich wäre. Das Ziel ist ja nicht nur klimaneutral zu heizen, sondern auch wirtschaftlich. Eine Wärmenetz ist nur sinnvoll, wenn die Heizkosten für die Bürger mittelfristig unter den Kosten von fossilen Energieträgern wie Gas, Öl oder Kohle liegen.

In Wallenhorst stehen wir nun genau an diesem Punkt. Der Bestand ist kartiert, erste potentielle Energiequellen wurden gefunden und es gab Empfehlungen für zwei Gebiete, in denen eine weitere Planung/Untersuchung sinnvoll sei. Eines der Gebiete sollte die Abwärme des Klinkerwerks Hollage nutzen. Hier gab es aber vom Betreiber das Signal, die Abwärme selbst zu nutzen. Das zweite empfohlene Gebiet ist das Wallenhorster Zentrum mit vielen Mehrfamilienhäusern, die einen höheren Wärmebedarf haben. Es gibt dort bereits ein kleines Wärmenetz, das mit Erdgas betrieben wird und sich integrieren ließe. Die Fraktionen aller Parteien waren sich schnell einig, dass die weitere Erkundung / Planung eines Wärmegebietes im Zentrum vorangetrieben werden soll.

Im Frühjahr kam die Gemeindeverwaltung nun auf die Idee, dass eine Erweiterung des Wärmegebiets Barlager Brücke geplant werden soll. Das Wärmegebiet wurde 2014 in Betrieb genommen und die Heizzentrale steht auf dem Gelände eines Unternehmens an der Hansastr., das auch einen Großteil der Wärme abnimmt. Das Wärmnetz sollte ursprünglich mit Hackschnitzeln betrieben werden, am Ende wurde es aber russisches Erdgas. Ohne den Großabnehmer ist dieses Wärmegebiet unrentabel, denn die Häuser in der Siedlung Barlager Brücke werden alle dem Standard „KFW Effizienzhaus 70“ entsprechen, für den es bis Anfang 2016 noch Förderungen gab. Diese Häuser haben also einen recht geringen Energiebedarf und werden idealerweise mit einer Wärmepumpe beheizt. Eine Wärmepumpe ist in diesem Baugebiet aber nicht erlaubt (Anschlusszwang) und die Versorgung durch das Wärmenetz ist viel teurer. Die CDU hatte dieses Wärmenetz seinerzeit abgelehnt und hat jetzt aktuell einen Antrag gestellt, den Anschlusszwang aufzuheben. Da sich abzeichnet, dass der Großabnehmer den bald auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird, suchen die Gemeindewerke nach einem neuen Standort für die Heizzentrale und wollen das Versorgungsgebiet erweitern. Ein möglicher neuer Standort für die Heizzentrale wäre das Gelände des ehemaligen Klärwerks. Dort könnte man neben Grundwasser als Wärmequelle auch Wärme aus dem Abwasser oder dem nahe liegendem Kanal nutzen. In der näheren Umgebung sind neben der Siedlung Barlager Brücke jedoch überwiegend Ein- und Zweifamilienhäuser mit überschaubarem Energiebedarf zu finden. Erst im sogenannten Musikerviertel findet sich ein Hausbestand, bei dem ein Wärmenetz sinnvoll erscheint. Wir haben in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause für die weitere, aber ergebnisoffene Planung gestimmt, um auch diesem Vorhaben eine Chance einzuräumen.

Ein sinnvolles Wärmenetz muss meiner Meinung nach drei Kriterien erfüllen:

1. Die Hauptenergiequelle muss eine regenerative Energiequelle sein. Also z.B. Biogas oder eine Wärmepumpe, die mit Ökostrom betrieben wird. Lediglich als Backup für evtl. Ausfälle wäre Erdgas akzeptabel.

2. Das Wärmenetz muss sich wirtschaftlich tragen können. Subventionen kann sich die Gemeinde Wallenhorst nicht leisten! Auch Quersubventionen z.B. innerhalb der Erlöse der Gemeindewerke sind keine tragfähige Lösung.

3. Das Wärmenetz muss für die Bürger, die sich für einen Anschluss entscheiden, eine dauerhaft wirtschaftliche Lösung im Vergleich zur fossilen Heizvariante bieten. Denn ein Wärmenetz muss auch für die Bürger einen Vorteil bieten.

Die kommunale Wärmeplanung ist kein Selbstzweck, sondern soll es Bürgern erleichtern, die Heizkosten in den kommenden Jahren zu senken bzw. stabil zu halten. Regenerative Energieträger sind keine Spinnerei, sie stabilisieren inzwischen maßgeblich das Stromnetz, den Strompreis und ein wenig den Gaspreis. Sie schaffen Arbeitsplätze in der Region statt Reichtum bei Konzernen oder Scheichs.